Hier die Einzelschritte und Vorgehensweise wenn ein Makroschlitten verwendet werden kann (weiter unten wird auch die Durchführung ohne Makroschlitten beschrieben).

Beispiel 1 : ZOLLSTOCK

Als Beispielmotiv nehmen wir die Spitze eines Zollstocks !

Bei diesem absichtlich ausgewählten Beispielmotiv wird man sehr gut die Unterschiede in den Schärfe-Ebenen sehen können, anhand der Einzelbilder wird hierbei sehr schnell klar wie knapp doch die Schär-febereiche in der Makrofotografie sind !

Solche (statischen) Motive eignen sich für den Anfang sehr gut da sie sich während der Aufnahmen im Gegensatz zu Insekten nicht bewegen können.
Hierzu richten wir die Kamera & Stativ auf das Motiv aus und fokussieren manuell einfach mal die Spitze des Zollstocks an.

 

Hier der Aufbau mit der EOS 5DMKII, dem „MP-E65mm/2,8″ und Ringblitz :

 

Am besten man stellt man nun die Kamera auf den manuellen Modus “M” um sicherzugehen das auch immer mit den gleichen Einstellungswerten (Parametern) abgelichtet wird.

In diesem Fall habe ich am Objektiv manuell einen Abbildungsmaßstab von 1:1 ausgewählt damit wir auch im „echten“ Makrobereich die Einzelbilder darstellen können.

Da wir hier selbst mit hoher Blendenzahl das Motiv nicht durchgehend scharf auf den Sensor abbilden können, wählen wir Blende 8 aus damit die einzelnen Schärfe-Ebenen eine ungefähre Schärfentiefe von ca. 1mm aufweisen.

WICHTIG : Nach der erstmaligen angepassten Einstellung der Belichtungszeit, Weissabgleich, ISO-Wert und Blendenwahl für das 1. Bild, bleiben diese Werte auch unverändert, bzw. man macht die weiteren Bilder einer Serie immer mit den gleichen Kameraeinstellungen !

Das einzige was verändert wird ist der Kameraabstand zum Motiv.

Die Funktion der „Spiegelvorauslösung“ an der Kamera sollte man bei Belichtungszeiten um die 1/20 Sekunden (und langsamer) verwenden/auswählen da sich sonst das Klappen des Spiegels als leichte „Verwackelung“ auf das Bild auswirken kann (bei spiegellosen Kameras erübrigt sich diese Einstellung) !

Nun fangen wir mit dem 1. Bild für unsere Focus-Stacking-Reihe an und stellen spätestens jetzt den Autofokus (AF) am Objektiv aus, drehen dazu die Einstellschraube des Makroschlittens so weit zurück bis wir die vordere Spitze des Zollstocks scharf im Sucher oder auf dem LiveView-Display sehen, notfalls mit dem Schärfering am Objektiv manuell etwas nachhelfen.

 

Jetzt machen wir nach dem Einstellen der einzelnen Parameter (Belichtungszeit, ISO, etc.) das 1. Bild am Fernauslöser….*klick* :

Bild 01




….nun drehen wir leicht an der Einstellschraube vom Makroschlitten (Bild unten), sodass die Kamera ungefähr 1 Millimeter nach vorne fährt. Diesen bestimmten Abstand (Stackschritte) sollte man vor der ganzen Stackingreihe herausfinden damit sich die Einzelbilder mit dem Schärfebereich auch etwas „überlappen“, damit hat es die Software hinterher leichter ein ordentliches Bild zu berechnen und dadurch fehlen auch keine Bereiche wie man es manchmal bei Focus-Stackingaufnahmen sehen kann.

Beim Herausfinden der korrekten Stackschritte die zwischen den einzelnen Aufnahmen liegen, sollte man dabei bedenken das im Sucher und auf dem LiveView-Display immer der Schärfebereich bei der jeweiligen Offenblende des verwendeten Objektives gezeigt wird……also nicht vergessen zur Überprüfung die “Schärfentiefeprüftaste” an der Kamera zu drücken um zu sehen welcher aktuelle Schärfebereich bei der eingestellten Blende aufgenommen wird !

 

Abstandseinstellschraube am Makroschlitten :

 

Jetzt machen wir das 2. Bild wo man schon sieht das die Schärfe-Ebene etwas weiter nach hinten gerutscht ist......*klick* :
....und wieder ein kleiner Dreh um 1 Millimeter am Makroschlitten und das 3. Bild machen wo man schon gut erkennt wie die knappe Schärfe-Ebene mitwandert aber sich dennoch mit der vorigen Schärfe-Ebene überlappt......*klick* : Bild 03
…..und wieder 1 Millimeter weiterdrehen……*klick* : Bild 04






So “fahren” wir nun mit der Kamera samt Makroschlitten durch die ganzen Schärfe-Ebenen des Zollstocks durch bis wir auch die hinteren Striche oberhalb der aufgedruckten “3” am Ende unserer Bilderreihe scharf abgelichtet haben. Hierfür wurden insgesamt 35 Bilder benötigt wobei das letzte Bild so aussah :

Bild 35





GLÜCKWUNSCH……..die Bilderreihe ist nun fertig !

Im nächsten Schritt können nun die 35 Einzelbilder am PC mittels einer entsprechenden Software zusammengefügt, bzw verschmolzen werden. Vorher noch einmal in kurzen Worten die Anleitung für die Vorgehensweise wenn kein Makroschlitten zur Verfügung steht.

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Die Vorgehensweise ohne Makroschlitten :

Im Prinzip verhält es sich fast genauso wie in der Methode mit Makroschlitten, nur mit dem Unter-schied das man nun nicht mit den unterschiedlichen Kamera-Abständen durch den Zollstock fährt sondern mit unterschiedlichen Schärfe-Einstellungen am Schärfering des Objektivs.

Dies ist zwar keine korrekte und genaue Methode, habe damit aber auch schon recht gute Ergebnisse erzielen können, es funktioniert also in der Not auch damit (ist nur nicht so genau und präzise).

Dazu fokussieren wir wie schon oben genannt die vordere Spitze des Zollstocks an und machen nun das 1. Bild mit dem Fernauslöser……*klick*

Jetzt drehen wir vorsichtig (manuell) am Schärfering des Objektives und kontrollieren dabei natürlich durch den Sucher oder besser im LiveView-Modus die Schärfe-Einstellung. Es wird natürlich nur soweit am Schärfering gedreht bis man mit der Schärfe-Ebene etwas vorgerutscht ist und diese scharf er-scheint…..dann das 2. Bild machen…..*klick*…..und wieder ein bisschen weiter drehen bis ein weiterer Bereich am Zollstock scharf erscheint und die vorige Schärfe-Eben dennoch leicht überlappt…..*klick* das 3. Bild……..so fahren wir nun fort bis zum hinteren Bereich des Zollstockes wofür wie bei diesem Beispiel ca. 35 Einzelbilder benötigt haben.

Im nächsten Schritt können nun die 35 Einzelbilder am PC mittels einer entsprechenden Software zusammengefügt, bzw verschmolzen werden.

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– Allgemeines und wichtiges zu solchen Focus-Stacking – Aufnahmen

Sollte das Motiv (wie z.B. ein lebendes Insekt) sich während solch einer Stackingreihe mal bewegen indem es z.B. ein Bein anders platziert oder mit den Mundwerkzeugen Kaubewegungen macht, ist eigentlich der gesamte “Stack” zu verwerfen da sich die Position des sich bewegten Körperteils ver-ändert hat und später im zusammengerechneten Bild auffallen würde. Es ist somit bei lebenden Motiven wie Insekten ein sehr schwieriges Vorhaben diese als Focus-Stacking – Aufnahme auszuwählen.

Hierfür eignen sich natürlich statische Motive wie z.B. kleine Münzen, Streichholzköpfe, winzige Schrauben, etc. viel besser da diese sich nicht bewegen.

Desweiteren kann man wie in diesem obigen Beispiel beschriebenen einstellbaren Abstandsunterschiede von 1 Millimetern nicht immer pauschal auf andere Motive übertragen.

Die einzelnen Schärfe-Ebenen oder Abständen mit denen man mit der Kamera samt Makroschlitten durch das Motiv “fährt” um ein Bild auszulösen hängen von mehreren Faktoren ab.

Bei einer gewählten Blende 8 ist die Schärfe-Ebene, bzw. der Schärfebereich ausgedehnter und man benötigt am Ende weniger Einzelbilder als bei einer gewählten Blende 4 wo die einzelnen Schärfe-Ebenen viel knapper sind und man automatisch mehr Einzelbilder anfertigen muss um jeden Bereich scharf abzulichten.

Auch der verwendete Abbildungsmaßstab (der ja auch von der Motivgrösse abhängt) ist hier ein wei-terer Faktor. Bei einem Abbildungsmaßstab von ca. 3:1 werden automatisch mehr Einzelbilder bei gleicher Blende benötigt als bei einem Abbildungsmaßstab von ca. 1:1.
Der Grund ist die bei gleicher Blende knapper werdenden Schärfe-Ebenen je grösser der Abbildungs-maßstab wird.

 

Fazit : Somit gibt es beim Focus-Stacking oftmals viele Fehlversuche da sich kleine Fehler auf die gesamte Bilderreihe auswirken und die Frustration des Fotografen kann dann auch dementsprechend hoch sein !